Die Belastung des Trinkwassers mit der Industriechemikalie PFT bewegt zurzeit vor allen Dingen die Menschen in Nordrhein-Westfalen. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass das verunreinigte Material, das die Quelle der Belastung ist, aus dem europäischen Ausland stammt und die Substanz weit über NRW hinaus in die Umwelt gelangt ist. Daher habe ich mich jetzt an den EU-Kommissar Dimas gewandt.
Im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts der Universität Bonn war vor einigen Wochen festgestellt worden, dass die Industriechemikalie PFT in erheblichen Konzentrationen in Rhein und Ruhr enthalten ist. Extrem hohe Werte wurden in einem Zufluss der Ruhr (Möhne) gefunden. Nach Absprache mit der Trinkwasserkommission des Bundes haben sich die Behörden vor Ort daher entschlossen, Eltern zu raten das Trinkwasser, das aus der Möhne gewonnen wird, nicht an Säuglinge und Kleinkinder zu verabreichen und stattdessen abgepacktes Wasser zu verwenden.
PFT ist ein so genannter bioakkumulativer Stoff, d.h. er reichert sich im Körper des Menschen und anderen Lebewesen an und wird nicht biologisch abgebaut. Es gibt in der Wissenschaft ernstzunehmende Hinweise darauf, dass er krebserregend und erbgutschädigend ist.
Wir haben zwar keine Gewissheit darüber, wie schädlich PFT wirklich ist, aber wenn wir zu spät handeln, könnten wir eine unverantwortliche Gefährdung für die menschliche Gesundheit hervorrufen. Daher gibt es keinen Grund zur Panikmache, aber ein Grund zu engagiertem nachhaltigen Handeln.
Mittlerweile ist die PFT-Belastung des Trinkwassers durch aufwändige Reinigungsmaßnahmen unter den von der Trinkwasserkommission empfohlenen Grenzwert gesunken. Die Verunsicherung in der Bevölkerung hält jedoch an.
Nach meiner Einschätzung nach die Verunreinigung von Trinkwasser durch PFT und die Belastung durch PFT allgemein ein deutschland- und europaweites Problem ist. Die Ursachen für die Verunreinigung in Möhne und Ruhr ist vor allen Dingen ein Bioabfallgemisch, das auf land- bzw. forstwirtschaftliche Flächen im Bereich der Möhnequelle ausgebracht wurde. Es liegen allerdings Erkenntnisse darüber vor, dass dasselbe Material auch auf tausenden von Flächen in NRW und anderen Bundesländern ausgebracht wurde. Das verunreinigte Material im Bioabfallgemisch stammt nach Auskunft der Experten in NRW wahrscheinlich aus dem europäischen Ausland.
In Nordrhein-Westfalen hat man genau hingesehen und zügig gehandelt. An anderer Stelle in Deutsch-land und Europa ist PFT bisher kein Thema, obwohl es möglicherweise auch im Wasser oder in Nahrungsmitteln vorhanden ist. Deshalb müssen wir in Deutschland und in Europa insgesamt sehr viel wachsamer sein. Daher habe ich mich an den EU-Kommissar Dimas gewandt, ihm den Sachverhalt geschildert und gebeten, die Behörden der Mitgliedstaaten auf das Problem hinzuweisen.
Durch EU-weites Verbot Verunreinigung an der Quelle beseitigen
Als Konsequenz aus dem PFT-Skandal fordere ich ein umfassendes EU-weites Verbot von PFT. Die Europäische Kommission hat zwar vor einigen Monaten schon einen Gesetzgebungsvorschlag vorgelegt. Dieser bezieht sich aber nur auf eine Untergruppe von PFT (PFOS), nicht jedoch auf die ebenso wichtige zweite Untergruppe PFOA. Das Verbot bezieht sich auch nur auf die Anwendungen, die von der Industrie ohnehin nicht mehr durchgeführt werden. Daher haben sowohl der Bundesrat als auch der Umweltausschuss des Eu-ropäischen Parlaments eine Ausweitung des Verbotes gefordert. Dieser Ausweitung müssen jetzt noch Ministerrat und Europäisches Parlament als Ganzes zustimmen.
Maßnahmen wie der Einsatz von zusätzlichen Aktivkohlefiltern zur Reinigung des Trinkwassers sind teilweise unvermeidlich, aber es kann nicht richtig sein, dass die Kommunen und die Gebührenzahler dieses Problem alleine schultern. Wir müssen nach dem Verursacherprinzip an der Quelle ansetzen und daher ein europaweites, umfassendes PFT-Verbot durchsetzen.
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