Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union schafft Arbeitsplätze in Südwestfalen

Aber Änderung zu Gunsten der Kalk-, Zement- und Papierindustrie dringend erforderlich – Großer Andrang bei Fachveranstaltung des südwestfälischen CDU-Europaabgeordneten Dr. Peter Liese

Die Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union bietet riesige Chancen für die Arbeitsplätze in Südwestfalen. Aber insbesondere aus Sicht der Zement- und Kalkindustrie sind Änderungen an den Vorschlägen der Europäischen Kommission erforderlich. Dies ist das Fazit einer Fachveranstaltung zu welcher der südwestfälische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese Unternehmer und Experten aus ganz Südwestfalen eingeladen hatte.

Vor fast 100 Zuhörern wurden die verschiedenen Aspekte der Klima- und Energiepolitik untersucht. Bis zum Dezember wollen sich Europäisches Parlament und Ministerrat auf ein umfassenderes Maßnahmenpaket einigen.

Dabei geht es unter anderem um die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und des CO2-Ausstoßes von Pkws. Zu diesem Thema nahm Michael von Buttlar, von der Firma BHTC aus Lippstadt, Stellung. Herr von Buttlar betonte das große Potential für Einsparmöglichkeiten durch intelligente Regelung von Heizung und Klimaanlagen. Peter Liese setzt sich im Europäischen Parlament dafür ein, dass möglichst schnell strenge Grenzwerte für Pkws angenommen werden, dabei aber Innovationen der mittelständischen Zuliefererindustrie zum Beispiel im Bereich Licht und Klimaanlagen auf das Ziel angerechnet werden können.

Herr Hans-Bernd Hartmann vom Landwirtschaftszentrum in Bad Sassendorf, Zentrum für nachwachsende Rohstoffe, betonte das Potential nachwachsender Rohstoffe für die Erreichung der Ziele. 20 Prozent der Energie sollen in 2020 in der gesamten EU aus erneuerbaren Quellen kommen. Dies geht nicht ohne nachwachsende Rohstoffe. Neben Holz, das in der Region Südwestfalen der wichtigste nachwachsende Rohstoff ist, spielen auch landwirtschaftliche Abfälle, wie zum Beispiel Stroh eine wichtige Rolle.

Matthias Kynast, Vorsitzender des Bundesverbands Windenergie, Regionalverband Südwestfalen aus Erwitte, betonte die Bedeutung erneuerbarer Energien für die regionale Wertschöpfung. Ihm sei das 20 Prozent-Ziel für erneuerbarer Energien keinesfalls ambitioniert genug. Er verlangt den Anteil erneuerbarer Energien noch sehr viel schneller und deutlicher zu erhöhen. Dazu erklärte Peter Liese, dass es ein Durchbruch wäre, wenn die 20 Prozent in 2020 wirklich erreicht werden. „Vor 2 Jahren unterstützten nur 2 oder 3 Mitgliedstaaten der EU dieses Ziel, jetzt sind die Mitgliedsstaaten einstimmig dafür. Wenn wir die 20 Prozent erreicht haben, werden erneuerbare Energien von alleine weiter wachsen, da sie dann kostengünstiger werden“, so Peter Liese.

Kritisch zu den Plänen der Europäischen Kommission beim so genannten Emissionshandel äußerte sich Dr. Dirk Spenner, von der Firma Spenner Zement aus Erwitte. Die Firma stellt neben Zement auch Kalk her. Bei beiden Produkten gibt es besondere Probleme. Peter Liese: „Während man Strom aus erneuerbaren Quellen oder durch Kernkraft herstellen kann, kann man Kalk und Zement nicht ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe und nicht ohne die Produktion von CO2 herstellen. Dies hat die Europäische Kommission bei ihrem Vorschlag zu wenig berücksichtigt.

Dr. Spenner lehnte insbesondere die von der Kommission vorgeschlagene Auktionierung ab. Er befürchtet, dass die Zement- und Kalkindustrie in Länder wie Agypten, China oder Russland abwandert, wenn die Europäische Union nicht die kostengünstigere Lösung des Benchmarks einführt, die auch Peter Liese vorgeschlagen hat. Mittelständische Zementunternehmen wie Spenner Zement hätten nicht Möglichkeit wie multinationale Konzerne ihre Produktion einfach zu verlagern. Spenner wörtlich: „Wir produzieren entweder hier in Deutschland oder wir produzieren gar nicht mehr.“

Auch das große Einsparpotenzial im Bereich der Beleuchtung wie es Dieter Henrici, Präsident der IHK zu Arnsberg, die den Kreis Soest und den Hochsauerlandkreis umfasst. Die traditionelle Glühbirne nutzt nur 5 Prozent der Energie um Licht zu erzeugen, der Rest wäre als Wärme verloren. Henrici sprach sich für die Verwendung von modernen Energiesparlampen aus und wies darauf hin, dass bestimmte Probleme, wie zum Beispiel die Qualität des Lichtes durch innovative Produkte beseitigt werden können. Falls kein Glühbirnenverbot eingeführt werde, würde das Einsparpotenzial nach Ansicht Henricis noch lange nicht genutzt. Die Europäische Kommission plant, mit Unterstützung des Europäischen Parlaments, und insbesondere von Peter Liese eine Gesetzgebung zur Verbesserung der Energieeffizienz im Bereich der Beleuchtung. Als erstes wurde ein neuer Energiesparstandard für Straßenbeleuchtung eingeführt. Henrici wies darauf hin, dass, die Kommunen viel Geld sparen können, wenn sie alte, ineffiziente Beleuchtung durch moderne, effiziente Beleuchtung ersetzen.

Dr. Frank Rose von der Firma CENTROTEC aus Brilon machte deutlich, dass vor allen Dingen im Bereich des Heizens von Gebäuden, riesige Einsparpotentiale vorhanden sind. Energieeffizienz könne zu Wachstum und Beschäftigung beitragen. Die Technologien seien bereits heute verfügbar, müssten nur genutzt werden. CENTROTEC bietet mit Niederlassungen in ganz Deutschland ein umfassendes Angebot im Bereich von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien bei Heizung an.

Energieeffizienz als Geschäftsmodell, Dr. Frank Rose, CENTROTEC Sustainable AG

Dr. Bernard Riegel von der Firma Hoppecke aus Brilon-Hoppecke verwies auf die Bedeutung der Batterie als Energiespeicher. Erneuerbare Energien sind teilweise nicht so stetig wie fossile Brennstoffe, deshalb müssen sie gespeichert werden. Die Abhängigkeit vom Öl kann zu mindest teilweise durch die Einführung von Elektroautos mit den entsprechenden Batterien gemindert werden.

Herr Volker Holtkämper vom Landesbetrieb Wald und Holz, stellvertretender Vorsitzender von I.D.E.E. in Olsberg verwies auf das große Potential vom Holz als nachwachsenden Rohstoff. Auch heute sei dieses Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Die Nutzung von Holz sei ein schlafender Riese im Bereich der erneuerbaren Energien.

Auf besonders großes Interesse stießen die Ausführungen von Franz Josef Schulte, Geschäftsführer der Firma OTAG in Olsberg-Elleringhausen.
Durch einfache Maßnahmen sei es möglich enorme Mengen von Strom und damit CO2 einzusparen. So hat Schulte vor vielen Jahren ein Gerät zur Reduzierung der Stand-by-Verluste in Fernsehern entwickelt. Dieses Gerät erreicht durch eine einfache Schaltung, dass Fernseher, auch wenn sie nur unter Fernbedienung ausgeschaltet sind, praktisch keinen Strom mehr brauchen, im Gegensatz zu den konventionellen Fernsehern, die noch teilweise sehr große Stand-by-Verluste haben. Auf Vorschlag von Franz Josef Schulte schlug Peter Liese allerdings einen anderen Weg ein. Die Schaltung, die den Stand-by-Verbrauch auf praktisch Null senkt, soll in Zukunft in alle technischen Geräte in der EU eingebaut werden. Nach 10 Jahren engagierter Zusammenarbeit, haben Franz Josef Schulte und Peter Liese ihr Ziel erreicht. Die Stand-by-Regelung tritt 2010 in Kraft und spart in ganz Europa jährlich so viel Strom wie das Land Dänemark jährlich verbraucht.

Die Firma OTAG bietet sei kurzem ein Gerät zur Kraftwärmekopplung für Ein- bis Dreifamilienhäuser an, wenn diese Power Lion zum Standart im europäischen Haushalt würde, könnten noch erheblich größere Mengen Energie eingespart werden.

Kurzbericht Franz Josef Schulte, Firma OTAG, Olsberg-ElleringhausenStrom mit Wärme: Broschüre zum lion® Powerblock

Wilhelm Berends von der Firma HJS in Menden unterstützte die Pläne der Europäischen Kommission, die CO2-Emissionen für Pkws zu reduzieren. Sichere, saubere und verfügbare Dieselmotoren produzieren schon heute bei gleicher Leistung, 25 Prozent weniger CO2 als jedes vergleichbare Aggregat. Berends verwies auf die Blue-Tec-Technologie mit Partikelfilter, die im Hause HJS entwickelt wurde.

Wilhelm Berends, HJS: Energie-Effizienz durch sparsame und saubere Dieselmotoren

Kritisch äußerte sich Michael Liell von der Firma Rheinkalk aus Menden zu den Plänen der Europäischen Kommission Die Firma stellt neben Zement auch Kalk her. Bei beiden Produkten gibt es besondere Probleme. Peter Liese: „Während man Strom aus erneuerbaren Quellen oder durch Kernkraft herstellen kann, kann man Kalk und Zement nicht ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe und nicht ohne die Produktion von CO2 herstellen. Dies hat die Europäische Kommission bei ihrem Vorschlag zu wenig berücksichtigt.

Herr Wolfgang Heinzel von der Firma Carl Capito Heiztechnik GmbH aus Neunkirchen wies auf die Bedeutung von Innovationen aus dem Südwestfälischen Mittelstand für die Erreichung der Klimaziele hin. Die Firma Capito hat im vergangenen Jahr ein europäisches Patent für einen innovativen Solar-Schichtungsspeicher erhalten. Peter Liese hat diesen im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung an die Firma übergeben. Die Speicher sind notwendig um z.B. die Effizienz von Solaranlagen oder Holzscheitkesseln zu verbessern.

Der Bundesabgeordnete für den Kreis Soest, Bernhard Schulte-Drüggelte, wies darauf hin, dass die Bundesregierung umfangreiche finanzielle Anreize zur energetischen Sanierung von Gebäuden zur Einführung erneuerbarer Energien im Bereich der Heizung zur Verfügung stellt. In 2008 sind diese Mittel erheblich aufgestockt worden, insbesondere dadurch, dass man Auktionseinnahmen aus dem Europäischen Emissionshandel für die Stromhersteller zweckgebunden für Klimaschutzprogramme einsetzt.

Die Veranstaltung zeigt wie vielschichtig das Thema ist und wie sehr Entscheidung der Europäischen Union oft positiv aber manchmal auch negativ die Unternehmen, die Menschen in der Region betreffen.

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Schlagworte: Arbeitsplätze, Auto, CO2-Ausstoß, Energie, Energieeffizienz, Energiepolitik, Geschäftsmodell, Heizung, Industrie, Klimaschutz, Südwestfalen, Umwelt- und Klimaschutz