PFT, Tosu, Arzneimittelrückstände usw. – Experten aus NRW diskutieren in Brüssel

Menschen erwarten zu Recht hohe Qualität des Trinkwassers / Besonderer Schutz von Oberflächengewässer notwendig

Die Belastung des Wassers durch PFT, Tosu und andere chemische Substanzen in Südwestfalen war jetzt Thema bei einer Fachveranstaltung des Landesumweltministeriums in Brüssel. Staatssekretär Dr. Alexander Schink, Professor Martin Exner von der Universität Bonn, Vorsitzender der Trinkwasserkommission des Bundes, und Dr. med. Peter Liese diskutierten die Konsequenzen aus dem PFT-Skandal und die Sicherung von sauberem Trinkwasser in Südwestfalen, NRW und ganz Europa.

Das Foto zeigt Prof. Exner, Universität Bonn, sein Institut hatte die Belastung durch PFT in Ruhr und Möhne herausgefunden und bei der Beseitigung des Problems die Landesregierung Nordrhein-Westfalen und die Kreise in Südwestfalen beraten, Staatsminister Alexander Schink und Peter Liese

Dr. med. Peter Liese, Staatsminister Alexander Schink und Prof. Martin Exner

Prof. Exner hatte mit einem Team im Sommer 2006 Ergebnisse über die Verunreinig von Ruhr, Möhne und anderen Gewässern mit der Industriechemikalie PFT festgestellt. Daraufhin wurde vorübergehend den Eltern in der Stadt Arnsberg angeraten, das Trinkwasser nicht an Säuglinge zu verabreichen.

Bis heute gelten noch Beschränkungen beim Verzehr der Fische aus Ruhr und Möhne. In ganz Südwestfalen haben besorgte Eltern, Angehörige von Fischereigenossenschaften, Tourismusexperten und die gesamte Bevölkerung über die Konsequenzen aus dem Skandal diskutiert.

Mittlerweile sind die Verseuchten Flächen zwar saniert, aber der PFT-Skandal zeigt, wie wichtig die aktive Sorge für sauberes Trinkwasser ist. Und die europäische Ebene ist mittlerweile tätig geworden, die wichtigste Untersubstanz von PFT ist europaweit verboten, die zweite wichtige Untersubstanz unterliegt gegenwärtig einer Überprüfung und soll ebenfalls weitgehend verboten werden. Außerdem plant die neue Europäische Kommission eine europaweite Regulierung von Bioabfällen. Durch ein Bioabfallgemisch war PFT auf die Äcker gekommen.

Das Beispiel zeigt, dass man Umweltprobleme im nationalen Alleingang nicht lösen kann. Vor Ort ist alles Notwendige getan worden, aber ein Teil des Problems kommt durch Bioabfallgemische aus den Beneluxländern. Deshalb müssen wir hier europäisch tätig werden.

Neben der Diskussion um Industriechemikalien spielten bei der Diskussion in Brüssel auch Arzneimittelrückstände eine Rolle.

Viele Medikamente werden im Körper nicht verarbeitet, sondern durch den Urin ausgeschieden. Da das Trinkwasser in Nordrhein-Westfalen oft aus Oberflächengewässern wie der Ruhr gewonnen wird und die Kläranlagen Arzneimittelrückstände normalerweise nicht aus dem Wasser entfernen, gibt es hier zumindest Diskussionsbedarf. Es besteht keine akute Gefahr einer Schädigung, aber Langzeitschäden können nicht ausgeschlossen werden. Deswegen müssen wir hier wachsam sein. Ich habe nach Abstimmung mit dem Landesumweltministeriums entsprechende Änderungsanträge für die europäische Arzneimittelgesetzgebung eingereicht.

Prof. Exner machte die Bedeutung von sauberem Trinkwasser für die Gesundheit des Menschen deutlich. „Nach einer Umfrage einer der renommiertesten Medizinmagazine der Welt (British Medical Journal), ist die Bedeutung von sauberem Trinkwasser und hygienischer Abwasserbeseitigung größer, als alle anderen medizinischen Innovationen wie Antibiotika und Gentechnik“, so Prof. Exner.

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Schlagworte: Exner, Möhne, PFT, PFT-Skandal, Ruhr, Schink, Tosu, Trinkwasser