Schweinegrippe

Das verstärkte Auftreten der Neuen Grippe (H1N1-Erreger, auch als sogenannte Schweinegrippe bekannt) hat in Deutschland und ganz Europa zu großer Besorgnis geführt. Die sogenannte Pandemie muss in der Tat ernst genommen werden, da insbesondere in Ländern mit mangelhafter medizinischer Versorgung wie Mexiko, Brasilien und Argentinien schon viele Menschen gestorben sind. Die gute Nachricht ist allerdings, dass die Neue Grippe in der Regel milder verläuft als die herkömmliche, saisonal in Herbst und Winter auftretende Grippe. Trotzdem müssen die Verantwortlichen in Deutschland und Europa das Thema ernst nehmen und das Bestmögliche zum Schutz der Bevölkerung tun.

Besonderheiten bei Kindern
Pressemeldungen über einen unzureichenden Schutz von Kindern haben in den letzten Tagen sehr viele Eltern besorgt. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Herr Dr. Hartmann aus Kreuztal, hat in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt Alarm geschlagen.
Ich teile die Einschätzung, dass der Schutz von Kindern in Zusammenhang mit der Neuen Grippe nicht optimal ist, es besteht allerdings auch hier kein Anlass zur Panik. Eltern, die sich gut informieren und mit einem Facharzt für Kinderheilkunde in Kontakt stehen, können ihre Kinder vor Schäden durch die Neue Grippe schützen.

Die folgenden Informationen gelten als allgemeine Hinweise, das Vorgehen muss im Einzelfall unbedingt mit dem behandelnden Arzt, am Besten immer mit einem Facharzt für Kinderheilkunde, abgestimmt werden.

1. Impfung
Es gibt eine Aussage von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, dass sie persönlich nicht empfiehlt, Kinder im Frühjahr oder Winter gegen die Neue Grippe zu impfen (“Wir sagen, jeder, der geimpft werden möchte, der kann geimpft werden. Ich persönlich würde die Impfung von Kindern weiter verschieben, weil die klinischen Studien an Kindern wahrscheinlich erst im Frühjahr nächsten Jahres fertig sind. So waren meine Informationen, das weiß ich nicht.“) Alle Experten, mit denen ich gesprochen habe, halten diese Empfehlung für falsch.
Obwohl eine offizielle Stellungnahme der Ständigen Impfkommission in Deutschland erst Ende September erscheinen wird, kann man schon Folgendes sagen: Der Impfstoff wird in Kürze von der zuständigen Behörde, dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), auch für Kinder zugelassen. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, wird es wahrscheinlich richtig sein, vor allen Dingen die Kinder zu impfen, die man auch gegen die saisonale Grippe impfen würde, so zum Beispiel immungeschwächte Kinder.

2. Behandlung mit antiviralen Medikamenten
Das Medikament Oseltamivir (Tamiflu) ist auch für Kinder zugelassen und gut wirksam. Es sollte allerdings nicht voreilig verschrieben werden, sondern nur nach genauer Abwägung, da selbstverständlich auch Nebenwirkungen auftreten können.

Weiter Informationen finden Sie hier:
Aktualisierte Empfehlung der DGPI zur Diagnostik, Therapie und Prophylaxe der Infektion mit dem Neuen Influenza A/H1N1-Virus bei Kindern und Jugendlichen

Für Kinder unter einem Jahr ist das Medikament noch nicht offiziell zugelassen. Es spricht jedoch viel dafür, dass in bestimmten Risikofällen auch dort eine Behandlung sinnvoll ist. Es gibt hier eine noch nicht veröffentliche Empfehlung der europäischen Arzneimittelagentur und eine bereits veröffentliche Empfehlung der amerikanischen Zulassungsbehörde FTA.
Das Problem besteht darin, dass die Suspension (Saft) für Tamiflu von der Herstellerfirma Roche zurzeit nur in sehr begrenztem Rahmen angeboten wird. Roche gibt an, dass die Herstellung des Saftes sehr viel aufwendiger sei, als die von Kapseln. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, sowie auch ich persönlich, sind der Auffassung, dass dadurch die Behandlung von Kindern verkompliziert wird. Gerade bei Eltern, die beispielsweise der deutschen Sprache nicht mächtig sind oder aus sozial schwachen Schichten stammen, ist nicht gewährleistet, dass die Empfehlung der Firma zur alternativen Behandlung von Kindern umgesetzt wird. Es besteht allerdings die Möglichkeit, bei größeren Kindern Kapseln mit geringerer und an die Kinder angepasster Dosierung zu verwenden. Diese sind zugelassen und die entsprechende Behandlung wird von den Experten empfohlen. Bei kleineren Kindern, oder Kindern, die Kapseln nicht schlucken können, gibt es die Möglichkeit diese zu öffnen und sie mit Flüssigkeit oder zum Beispiel mit Apfelmus zu mischen. Sprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Kinderarzt durch! Die Sorge des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte und meine Sorge beziehen sich auf Eltern, die diese Prozedur nicht beherrschen, weil sie zum Beispiel die deutsche Sprache nicht ausreichend sprechen. Informierte Eltern, die sich Mühe machen, die beste Behandlung für ihr Kind zu gewährleisten, haben diese Möglichkeit! Es ist ebenfalls möglich, Tamiflulösung in der Apotheke jeweils angepasst herzustellen.