Bau in Attendorn macht Fortschritte

„Die Gelder aus dem europäischen Haushalt sind hier in Südwestfalen sehr gut angelegt“, das war das einhellige Fazit eines Gesprächs mit Prof. Helmut Schulte (Geschäftsführer ACS Automotive Center Südwestfalen), Frank Beckehoff (Landrat des Kreises Olpe und Aufsichtsratsvorsitzender der Südwestfalen Agentur), Dirk Glaser (Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur) und Hubertus Winterberg (stellv. Geschäftsführer Südwestfalen Agentur) anlässlich eines Besuchs der Baustelle des ACS in Attendorn.

Das Projekt wird fast vollständig aus dem europäischen Wirtschaftsförderprogramm Ziel 2 finanziert. Gemeinsam mit den KFE (Kompetenzzentrum Fahrzeug-Elektronik) in Lippstadt bildet das Projekt ACS (Automotive Center Südwestfalen) in Attendorn das Regionale Projekt Automotive Kompetenzregion Südwestfalen. Das Projekt wurde entwickelt, um der heimischen Automobilzuliefer-Industrie bei der erfolgreichen Ausrichtung auf Zukunftsmärkte zu helfen.

Schwerpunkt des Teilprojekt in Attendorn ist die Entwicklung des Karosserie-Leichtbaus. In Zeiten hoher Benzinpreise ist es sehr wichtig, mit Hilfe neuer Technologien, den Kraftstoffverbrauch der Autos zu senken. Dazu leistet der Leichtbau einen unverzichtbaren Beitrag. Ohne Leichtbau wird auch der Übergang zur Elektromobilität nicht funktionieren.

An dem Projekt sind neben der Universität Siegen und der Fachhochschule Südwestfalen mehr als 70 Unternehmen aus der Region beteiligt. Die Fördersumme in Höhe von 14,8 Millionen Euro. Wirtschaft und beteiligte Hochschulen steuern zusätzlich einen Eigenanteil bei, so dass insgesamt mehr als 18 Millionen Euro investiert werden.

Seit 2006 ist die Region Südwestfalen grundsätzlich in der Lage, Fördermittel aus dem europäischen Wirtschaftsförderprogramm zu bekommen. Vorher ging dieses Geld nur ins Ruhrgebiet. Etwa ein Drittel der Mittel die für die Regionale notwendig sind, stammen aus dem Ziel-2-Programm. Daher sehen die Beteiligten es mit Sorge, dass innerhalb der Landesregierung diskutiert wird, neue Prioritäten zu setzen und das Geld wieder verstärkt ins Ruhrgebiet zu schicken.

Dieses Projekt zeigt, dass es gute Ideen nicht nur im Ruhrgebiet, sondern vor allem auch bei uns in Südwestfalen gibt. Es wäre für ganz Nordrhein-Westfalen schlecht, wenn solche Ideen nicht mehr gefördert werden könnten.

Südwestfalen ist eine starke Automobilzulieferregion. Um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein, müssen wir uns aber an die neuen technologischen Herausforderungen anpassen, zu der auch Elektromobilität gehört. Das Projekt ist wirklich ein Vorzeigeprojekt für ganz Südwestfalen. Die Region ist sehr stark abhängig von der Automobilzulieferindustrie, aber wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Die Automobilzulieferindustrie muss fit gemacht werden für Zukunftstechniken und dies heißt vor allem, sparsamere Autos entwickeln und die entsprechende Technik dafür bereitzustellen. Leichtbau ist hier ein Schlüsselthema und deswegen bin ich sehr froh, dass aus dem europäischen Wirtschaftsförderprogramm Ziel 2 erhebliche Mittel in diesen Bau in Attendorn fließen, der der Industrie in ganz Südwestfalen zugutekommt.

Prof. Helmut Schulte erläuterte, dass der wesentliche Vorteil darin läge, dass Informationen, die einer alleine vielleicht nicht bekommen kann, über die Hochschule auf der einen Seite, über die Gemeinschaftsarbeit auf der anderen Seite, früher, schneller und sicherer bekommt. Der zweite Vorteil sei, dass man gemeinsame Anlagen nutzt, in die man alleine gar nicht investieren würde, wie Prüfgeräte oder Pressen, auf die man im normalen Alltagsbetrieb nicht zurückgreifen könne, weil sie belegt seien. „Wissensvermittlung, Wissensvorsprung und Nutzung von Einrichtungen, die man alleine nicht bezahlen kann“, so der Geschäftsführer des Automotive Center Südwestfalen.

„Das Projekt Automotiv Center Südwestfalen ist sicherlich eines der großen Vorzeigeprojekte der Regionale 2013. Es ist ein einmaliges Projekt im Bereich der Wirtschaftsförderung. Einmalig insofern, als hier die Hochschule, nämlich die Universität Siegen und die Fachhochschule Südwestfalen mit den großen Zulieferunternehmen aus der Region zusammen arbeiten, um hier ein kleines Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Automobilzulieferindustrie in unserer Region auf den Weg zu bringen. Die Automobilzulieferindustrie, nur um dies einmal von der Größenordnung her zu erfassen, beschäftigt in Südwestfalen etwa 30.000 Menschen und macht einen Umsatz von 7 Mrd. Euro“, so der Olper Landrat Franz Beckehoff, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Südwestfalen Agentur ist.

Für die Südwestfalen Regionale sei das ACS-Projekt ein ganz wichtiges Projekt, zumal es nicht isoliert zu sehen sei, sondern im engen Zusammenhang mit dem Schwesterprojekt in Lippstadt, mit dem KFE (Kompetenzzentrum Fahrzeugelektronik), schloss sich der Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur, Dirk Glaser an. „Hier haben wir zwei Schwergewichte in Südwestfalen, die sehr gut dazu beitragen können, neben den fachlichen Gründen für die Entwicklungen, auch für die Rufverbesserung, für die Nachhaltigkeit zu sorgen, die Südwestfalen eigentlich verdient hat. Denn hier tut sich so vieles, gerade im Automotiv Bereich deutschlandweit, im europaweiten Vergleich, dass es Wert ist, dass man das auch entsprechend vermarktet und öffentlich macht“

Auch zwei laufende Gesetzgebungsverfahren in der Europäischen Union haben großen Einfluss auf die Thematik. In der vergangenen Woche hat EU-Klimakommissarin Hedegaard die Vorschläge für die CO2-Grenzwerte bis 2020 vorgelegt. Dabei ist insbesondere die Frage strittig, wie sehr das Gewicht der Fahrzeuge in die Berechnung einfließen kann, d.h. um wie viel mehr der Ausstoß eines schweren Fahrzeugs gegenüber eines leichteren sein darf. Ich verstehe die Anliegen der deutschen Autoindustrie, die insbesondere bei hochpreisigen und schweren Fahrzeugen, aber es muss auch ein Anreiz für die Technologie des Leichtbaus geben. Daher müssen wir einen sinnvollen Kompromiss suchen.

O-Töne:

Landrat Frank Beckehoff Beckehoff
Prof. Helmut Schulte (ACS) Schulte
Dirk Glaser (Südwestfalen Agentur) Glaser
Peter Liese Liese

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