Auch reproduktives Klonen soll nicht mehr von Forschungsförderung ausgenommen werden
 
Ein britischer Vorschlag zum 7. EU-Forschungsrahmenprogramm sorgt für Entsetzen im Europäischen Parlament. Bei der heutigen Sitzung des Forschungsministerrats in Brüssel soll über ein Papier beraten werden, in dem Großbritannien mit Unterstützung von Schweden die Streichung sämtlicher ethischer Begrenzungen vorschlägt. Dies geht aus mehreren Medienberichten hervor.Grundlage der Diskussion ist ein Vorschlag der Europäischen Kommission, in dem bestimmte Forschungsarbeiten von der Finanzierung durch die Europäische Union ausgenommen werden sollen. An erster Stelle steht das reproduktive Klonen von Menschen, außerdem sollen Eingriffe in die menschliche Keimbahn und die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken nicht gefördert werden. Schon der Vorschlag der Europäischen Kommission ist im Europäischen Parlament und in vielen Mitgliedsstaaten hoch umstritten. Acht Mitgliedsstaaten (Deutschland, Italien, Polen, Slowenien, Slowakei, Österreich, Malta und Luxemburg) halten den Vorschlag für nicht streng genug, weil die Forschung an menschlichen Embryonen und menschlichen embryonalen Stammzellen praktisch ohne Kontrollen und Einschränkungen möglich ist. Der Deutsche Bundestag hat sich mehrfach gegen das Vorgehen der Kommission ausgesprochen.

Die Europäische Kommission hatte allerdings in der Diskussion stets darauf verwiesen, dass Forschung mit menschlichen Embryonen in einer Reihe von Mitgliedstaaten zulässig ist. Großbritannien wurde dabei oft als Beispiel genannt. In Großbritannien ist nicht nur die Forschung an sogenannten überzähligen menschlichen Embryonen, die zur künstlichen Befruchtung hergestellt wurden, erlaubt, sondern auch die gezielte Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken. Auch das Klonen von Embryonen zu Forschungszwecken ist erlaubt.

Bisher hatten die Briten allerdings stets behauptet, es ginge ihnen dabei nicht um die Herstellung des geklonten Babys, sondern um die Herstellung von Stammzellen. Diese Technologie wurde lange Zeit als wegweisend betrachtet, insbesondere seit im Mai vergangenen Jahres der süd-koreanische Forscher Hwang angab, patientenspezifische Stammzellen durch Klonen von Embryonen hergestellt zu haben. Im Dezember wurde dann allerdings bekannt, dass Hwangs Forschungsergebnissen eine Fälschung waren.
 
Britische Forderung ist skandalös
 
Kritiker hatten stets darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen dem sogenannten therapeutischen Klonen, das Hwang und die Briten verfolgten, und dem reproduktiven Klonen, d.h. der Züchtung eines genetisch identischen Babys technisch sehr gering sei. Der neue Vorschlag aus Großbritannien bestätigt daher die Kritiker.

Ich finde die britische Forderung skandalös. Zwar kann man den Briten wohlwollend unterstellen, dass sie bei der Formulierung des Vorschlags vielleicht einfach nur nicht sorgfältig gearbeitet haben. Ich erwarte auf jeden Fall in den nächsten Tagen ein Dementi der britischen Regierung.

Aber der Vorgang zeigt, wie wenig sensibel die britische Regierung in dieser Frage vorgeht. In ihrem Wahn, ethische Grenzen, die viele Mitgliedstaaten in Europa für notwendig halten, zu ignorieren, machen die Briten jetzt offensichtlich auch vor dem reproduktiven Klonen keinen Halt mehr.

Die Haltung des Europäischen Parlaments und der deutsche Bundesregierung, die in dieser Frage für strenge Regelungen und vor allen Dingen für die Unterstützung der ethisch unbedenklichen Forschung mit adulten Stammzellen und Stammzellen aus der Nabelschnur eintreten, wird erneut bestätigt.

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