Europäische Zusammenarbeit und Energieeffizienz kann Kosten für Energiewende senken / Klimaschutz macht unabhängig von Putin

Iserlohn/Ense/Südwestfalen Sie gilt als eine der engagiertesten und erfahrensten Kämpferinnen gegen den Klimawandel weltweit, EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard aus Dänemark. Auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steht sie dafür, dass die Europäische Union im Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnimmt. Auf Einladung des südwestfälischen CDU-Europaabgeordneten Dr. Peter Liese, Sprecher der größten Fraktion (EVP-Christdemokraten) im Umweltausschuss des europäischen Parlaments, hat sie sich am Montag im Umwelt- und Energieeffizienz-Zentrum der Schornsteinfeger-Innung Südwestfalen in Iserlohn mit südwestfälischen Unternehmen zur Bedeutung Klimaschutz und Energieeffizienz ausgetauscht.



„Klimaschutz wird oft als Gegensatz zu wirtschaftlichem Wohlstand gesehen und da wir insbesondere in Südeuropa in den letzten Jahren große wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten, heißt es oft, Klimaschutz können wir uns nicht leisten. Viele Beispiele gerade aus unserer Region Südwestfalen zeigen, dass sinnvoller Klimaschutz und wirtschaftlicher Wohlstand keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig befruchten können. Dutzende von Unternehmen in unserer Region verdienen mit Klimaschutz, vor allen Dingen Energieeffizienz, ihr Geld. Weitere Informationen gibt’s hierzu auch unter www.energiesparen-suedwestfalen.de. Energieeffizienz ist der kostengünstige Teil der Energiewende Pro eingesetzten Euro kann man wesentlich mehr CO2 sparen“, so Gastgeber Peter Liese in seiner Begrüßung, „Und für Energie, die erst gar nicht verbraucht wird, brauchen wir auch weder neue Netze noch Speicher-, noch Reservekraftwerke“.

Klimakommissarin Hedegaard machte anschließend die Bedeutung von ambitionierten Klimazielen auch für eine innovative Wirtschaft deutlich. „Wir schaffen neue Arbeitsplätze, was gerade in Zeiten wie diesen wichtig ist, wo in Europa mehr als 26 Millionen Frauen und Männer arbeitslos sind. Es ist erwiesen, dass während der Krise das Beschäftigungswachstum im Bereich der Umweltindustrien deutlich stärker war als in der Gesamtwirtschaft. Es wird geschätzt, dass in einem Zeitraum von nur fünf Jahren allein die europäische Branche der erneuerbaren Energien mehr als 300.000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Zusammen haben die Sektoren Energieeffizienz und erneuerbare Energien das Potenzial, in den nächsten 15 Jahren Millionen von Arbeitsplätzen zu schaffen oder zu erhalten“, so die Kommissarin.

Bei der Veranstaltung in Iserlohn präsentierten zahlreiche Firmen und Institutionen aus Südwestfalen ihre Leistungen für den Klimaschutz. Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW wies auf die Wichtigkeit on bezahlbaren Energiepreisen für die Verbraucher hin. Die Verbraucherzentrale NRW betreibt spezielle kommunal-kofinanzierte Beratungsstellen zum Energiesparen in Arnsberg, Iserlohn/Hemer, Siegen und Olpe/Lennestadt. Auf ihrer Homepage stellt die Verbraucherzentrale NRW hierzu hilfreiche Informationen zur Verfügung: http://www.vz-nrw.de/energieberatung.

Dietmar Zembrot (Trilux, Arnsberg-Hüsten) sprach als Präsident des Verbandes der europäischen Leuchtenhersteller vom großen Einsparpotential durch LED-Beleuchtung. Er betonte dabei auch noch einmal die Bedeutsamkeit der deutschen Industrie im Energiebereich: „Europa steht mit 6 Mrd. Euro Umsatz im Energiebereich weltweit immer ungefähr an dritter Stelle, Deutschland ist ein Drittel davon.“ Stefan Schauerte von SVent aus Lennestadt-Grevenbrück stellte ein innovatives Ventil zum Energiesparen bei Heizungen vor. „Die Gebäudebeheizung ist für 50% des Energieverbrauchs zuständig. Dieser kann durch den hydraulischen Abgleich mit unserem Heizungsventil S-Vent um bis zu 15% gesenkt werden“, erklärte Stefan Schauerte und gab damit ein eindrucksvolles Beispiel für innovative Entwicklungen aus Südwestfalen. Heinrich Sievers (Spenner Zement, Erwitte) beschrieb die Anstrengungen der energieintensiven Industrie und betonte: „Spenner Zement war durch die hohen Investitionen schon immer innovationsgetrieben.“ Er verdeutlichte jedoch auch die Sorgen, die mit dem derzeitigen Beihilfeverfahren zu den Ausnahmen im Bereich des EEG einhergehen. Fazit aller Teilnehmer: „Klimaschutz und wirtschaftliches Vernunft müssen kein Widerspruch sein. Aber wir müssen stärker in Europa zusammenarbeiten, um Kosten zu reduzieren“.

Abschließend wies Peter Liese auch noch aus einem anderen Grund auf die Bedeutung von Energie-Einsparung hin: „Angesichts der Krim-Krise hat dieses Thema an Aktualität und Brisanz gewonnen, wie wir es vor wenigen Tagen noch nicht absehen konnten. Wir zahlen oft einen hohen politischen Preis, um Öl und Gas zuverlässig zur Verfügung zu bekommen. Klimaschutz macht uns weniger abhängig von Putin - auch ein wichtiger Grund für den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz“.

Vor der Veranstaltung in Iserlohn besuchte die EU-Kommissarin bereits die Gemeinde Ense, um sich dort ein Bild von den Repowering-Maßnahmen zu machen. Ense kann 100 Prozent seines Bedarfs mit erneuerbaren Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Biogas decken. Dazu gehört eben auch Windkraft. Die Gemeinde will zehn alte Windkraftanlagen durch vier neue ersetze. Die rot-grüne Landesregierung Düsseldorf steht allerdings auf dem Grundsatz, dass das EU-Recht grundsätzlich Repowering in FFH-Gebieten (Natur- und Landschaftsschutzgebiete) verbietet. Kommissarin Hedegaard machte klar: „Repowering in FFH-Gebieten ist nach EU-Recht nicht prinzipiell verboten“. Peter Liese schloss sich als heimischer Abgeordneter an: Wir brauchen hier pragmatische Lösungen. Gerade dort, wo die Bürgerinnen und Bürger die Windkraft akzeptieren, darf es nicht der Ausbau nicht an der Bürokratie scheitern. Prinzipiell zu sagen „Das geht nicht“ hilft uns nicht weiter“.

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