Knoten geplatzt, Offenheit der EMA macht Hoffnung
Die Entwicklung neuer Verhütungsmittel für Männer kommt einen wichtigen Schritt voran. Nach einer gemeinsamen Initiative der Europaabgeordneten Dr. Peter Liese und der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Dr. Katarina Barley hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ihre Bereitschaft zu einem intensiveren Dialog mit Wissenschaft und Industrie deutlich gemacht.
In einem Antwortschreiben an die beiden Abgeordneten hatte EMA-Chefin Emer Cooke signalisiert, dass die Behörde offen für einen Austausch über spezifische Zulassungsfragen bei der männlichen Verhütung ist. Diese Haltung wurde bei einer parlamentarischen Fachveranstaltung im Europäischen Parlament nochmals klar bestätigt. Dort erklärte Dr. Steffen Thirstrup, Chief Medical Officer der EMA, ausdrücklich, dass die EMA offen für Gespräche mit Entwicklern männlicher Verhütungsmittel sei. Zudem betonte er, dass er die Entwurfsempfehlungen des zuständigen Expertengremiums zu „Male Contraceptive Development and Regulatory Best Practices“ mit großem Interesse gelesen habe. Ergänzend teilte er mit, dass die Bitte der Arbeitsgruppe um fachlichen Input an nationale Zulassungsbehörden weitergeleitet worden sei.
Diese Signale werten die Abgeordneten als wichtigen Fortschritt. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir den Knoten jetzt durchgeschlagen haben. Die Europäische Arzneimittelagentur, die betroffenen Wissenschaftler und die Unternehmen sind in einen Dialog eingetreten“, erklärte der Europaabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss, Dr. Peter Liese. „Ich hoffe, dass es noch in diesem Jahr ein konkretes Ergebnis in Form von Leitlinien der EMA geben wird und dass dann in drei bis vier Jahren das erste Verhütungsmittel für den Mann in Europa zugelassen werden kann. Verhütungsmittel für den Mann könnten viele Probleme lösen. Sie können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, und zu einer partnerschaftlicheren Herangehensweise bei der Verhütung beitragen. Viele Männer wünschen sich solche Angebote ebenso wie Frauen. Deshalb bin ich froh, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind“, betonte Liese.
Katarina Barley betont “Noch immer liegt die Verantwortung für Empfängnisverhütung überwiegend bei Frauen. Umso wichtiger ist es, neue Wege zu gehen und Männern endlich mehr Möglichkeiten zu eröffnen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Ich begrüße sehr, dass eine neue Generation von Feministinnen und Forschenden genau hier ansetzt. Es tut sich was! Es gibt vielversprechende Ansätze für sichere und nebenwirkungsarme Präparate für Männer, die ihnen neben Kondom und Vasektonomie Optionen geben würden, selbstbestimmt und aktiv Verantwortung für Verhütung zu übernehmen. Als Europäische Union ist es unsere Aufgabe, diese Innovationen gezielt zu fördern und den Weg für neue Verhütungsoptionen für Männer zu ebnen. Mehr Wahlfreiheit für Männer bedeutet mehr Gerechtigkeit, Partnerschaftlichkeit und Selbstbestimmung für alle.“
Liese und Barley weisen darauf hin, dass es bei der männlichen Verhütung lange ein klassisches Henne-Ei-Problem gegeben habe: Entwickler hätten auf fehlende regulatorische Klarheit verwiesen, während die Behörden mangelnde Anfragen beklagt hätten. Dass die EMA nun ausdrücklich Offenheit für den Dialog signalisiere und auch nationale Zulassungsbehörden einbinde, sei daher ein wichtiges Signal für Innovation, Gleichstellung und eine moderne Gesundheitspolitik in Europa.
