Hauptsache gesund - das wünschen wir uns zu Geburtstagen und zum Jahreswechsel. Deswegen muss sich die Politik auf allen Ebenen dafür einsetzen. Das gilt für mich als ausgebildeten Arzt ganz besonders. Auch Europa kann und muss hier einen entscheidenden Beitrag für die Menschen leisten. Dabei konzentrieren wir uns auf die Themen, wo Europa den Schutz der Patienten besser umsetzten kann, als rein nationale Aktivitäten.

 

In Europa soll in 20 Jahren niemand mehr an Krebs sterben

Eine Priorität für mich und meine Fraktion ist die Bekämpfung von Krebs. Jeder kennt in der Familie oder im Freundeskreis jemanden, der an dieser schrecklichen Krankheit leidet oder sogar daran gestorben ist. Experten sagen, dass man es schaffen kann, das in 20 Jahren niemand in Europa mehr an Krebs stirbt. Das ist aber nur zu schaffen, wenn wir in Europa zusammenarbeiten und unsere Ressourcen bündeln. Meine EVP-Fraktion hat dazu unter meiner Federführung und nach Gesprächen mit zahlreichen Experten ein Strategiepapier mit einem Maßnahmenpaket verabschiedet, bei denen europäisches Handeln ganz konkret einen Mehrwert bietet und hilft, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. Ein wichtiger Punkt von vielen ist die gemeinsame Forschung. Europäische Kooperation ist bei der Erforschung und Bekämpfung von Krebs aus vielen Gründen wichtig, aber zum Beispiel bei Kindern unverzichtbar. Glücklicherweise erkranken Kinder nämlich nicht sehr häufig an Krebs. Wenn es aber dann doch passiert, ist es ein besonders schlimmes Schicksal für die Familie. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen in den einzelnen Mitgliedstaaten kann sinnvolle Forschung und spezialisierte Therapie nur mit Hilfe europäischer Kooperation gelingen. Durch geringe Aktivität der Pharmaindustrie im Gebiet kindlicher Krebserkrankungen oder auch seltener Krebsarten sind wir umso mehr auf innovative akademische Forschung angewiesen, die von öffentlichen Geldgebern finanziert wird. Im neuen Forschungsprogramm wird deshalb dank unserer Initiative ein Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Kinderkrebsarten gelegt. Dadurch stehen rund 1 Milliarde Euro zur Verfügung. Ein echter Meilenstein und ein wichtiger Schritt auf unserem langen Weg.

Krebsforschung bei Kindern

 Sehen sie hierzu auch einen kurzen Film auf YouTube unter: Krebs

Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit in der kommenden Legislatur bleibt die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben in der Europäischen Union jährlich 33.000 Menschen, weil Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Neben der Humanmedizin (Hygiene in den Krankenhäusern, falscher oder unnötiger Einsatz beim Menschen) ist ein entscheidender Teil des Problems die unkritische Anwendung von Antibiotika in der Tiermedizin. Hier entstehen antibiotikaresistente Keime, die auch auf den Menschen überspringen. Wir haben deshalb auf europäischere Eben das Tierarzneimittelrecht verschärft um den Antibiotikaeinsatz in der Tiermedizin zu reduzieren. Dies ist dringend notwendig, damit Antibiotika nicht vollkommen ihre Wirkung verlieren. Wir brauchen aber auch dringend neuartige Antibiotika und deshalb wird es Anreize für Unternehmen geben, die neue Antibiotika für Tiere entwickeln. Als Vorbild hierfür dienen bereits bestehenden europäischen Anreizsysteme für die Entwicklung neuer Medikamente, wie beispielsweise bei Kinderarzneimitteln oder Arzneimitteln für seltene Krankheiten. Diese funktionieren sehr gut. Ich setze mich seit langen dafür ein, dass wir vergleichbare Anreizsystem auch für die Entwicklung neuer Antibiotika beim Menschen einführen. Natürlich haben wir ein Problem im Veterinärbereich, das Problem für den Menschen ist aber deutlich größer. Nur europäisches Vorgehen kann hier zum Ziel führen und ich werde mich dafür mit aller Kraft einsetzen. 

Tierarzneimittelrecht

Für die Patienten und ihre Sicherheit wurde aber auch in vielen anderen Bereichen vieles erreicht:

 

Europa schützt uns vor gefälschten Arzneimitteln

Durch den gemeinsamen Binnenmarkt gibt es einheitliche, hohe Sicherheitsstandard und Regelungen für „Produkte“ wie Arzneimittel, Medizinprodukte, Zellen und Geweben oder menschliche Organe. Schon heute wird zum Beispiel ein Großteil der Arzneimittel zentral über die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Konsequenterweise wurden daher auch europäische Regeln für die Überwachung dieser Arzneimittel und eine Richtlinie über Schutz vor gefälschten Medikamenten beschlossen. Gefälschte Arzneimittel werden weltweit immer mehr zu einem Problem, auch in Europa. Allein im Jahr 2016 wurden an den EU-Außengrenzen rund 400.000 gefälschte Arzneimittel sichergestellt. Oft enthalten die Fälschungen nicht die Menge der notwendigen Substanz, teilweise enthalten sie diese gar nicht. Dann haben die Fälschungen im besten Fall keine Wirkung, was aber für schwerkranke Patienten schon sehr dramatisch sein kann. Zum Teil enthalten sie aber auch gefährliche Substanzen, und bedrohen damit direkt Menschenleben.  Deshalb ist es notwendig, dass Europa hier einheitlich handelt und seine Bürgerinnen und Bürger schützt.

Arzneimittelfälschung

 

Gemeinsame Nutzenbewertung spart wichtige Ressourcen

Ganz aktuell arbeiten wir an einem Gesetzesvorschlag, um die sogenannte Nutzenbewertung von Arzneimitteln und Medizinprodukten in Europa in Zukunft gemeinsam durchführen. Wir wollen, dass Experten aus den Mitgliedstaaten gemeinsam bewerten, ob und welchen Zusatznutzen ein europäisch zugelassenes Medikament im Vergleich zur Standardtherapie hat. Diese Bewertung soll dann als Grundlage für die Erstattung dienen, die zu Recht allein von den Mitgliedstaaten vorgenommen wird. Nach einer europäischen Zulassung müssen die Hersteller nämlich heute, getrennt in allen Mitgliedstaaten einzeln nachweisen, ob das Medikament auch tatsächlich besser wirkt als eine bisher schon finanzierte Vergleichstherapie. Dies ist aus meiner Sicht unnötige Doppelarbeit. Es kann aus wissenschaftlicher Sicht nämlich nicht sein, dass ein Medikament in Deutschland das Leben im Schnitt um acht Monate verlängert, aber in Frankreich nur um einen Monat. Die hochqualifizierten Mitarbeiter auf Seiten der Unternehmen und Behörden, die diese unnötige Doppelarbeit leisten, sollten aus meiner Sicht viel besser in der Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten eingesetzt werden und könnten so viele besser dem Patienten und der Gesundheit dienen. Die Einführung einer gemeinsamen Nutzenbewertung für Medizinprodukte halte ich im Interesse der Patienten, und im Übrigen auch im Interesse der Industrie für nützlich.

Bewertung von Arzeimitteln