In Großbritannien seit langem Praxis

„Die Aufregung über die Herstellung von menschlichen Embryonen allein zu Forschungszwecken in den USA ist zum Teil heuchlerisch.“ Dies sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bioethik der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP/ED), Dr. Peter Liese, angesichts der heftigen Reaktionen in Deutschland.
„Auch in unserem Land haben in den letzten Monaten viele Forscher und Politiker die Zulassung des sogenannten therapeutischen Klonens gefordert. Dies ist aber nichts anderes als die Erzeugung von menschlichen Embryonen allein zu Forschungszwecken. Diese Forderung wurde z.B. von Mitgliedern der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft ebenso wie von verschiedenen Bundestagsabgeordneten erhoben. Wenn sich die Vorsitzende des Forschungsausschusses des Bundestages, Ulrike Flach, nach Bekanntwerden der Experimente in den USA nun positiv geäußert hat, so war das bestimmt kein Versprecher, wie FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle glauben machen will. Die Erzeugung von menschlichen Embryonen allein zu Forschungszwecken ist die logische Folge der Diskussion, die in Deutschland zur Zeit geführt wird. Wenn man den Embryo als bloßen Zellhaufen und nicht als menschliches Lebewesen definiert, ist diese Grenze irgendwann selbstverständlich irrelevant", so der Mediziner Liese.

In Großbritannien ist nach Lieses Auskunft die Erzeugung von Embryonen seit zehn Jahren legal und wurde über hundertfach durchgeführt. Die Debatte um das sogenannte therapeutische Klonen, die um die Jahreswende in Großbritannien heftig geführt wurde, betraf nur eine Ausweitung der Indikationen (während bisher Embryonenforschung nur im engeren Zusammenhang mit der Fortpflanzungsmedizin erlaubt war, wird sie nun zur Erforschung jeglicher Erkrankung möglich).

„Die Briten tragen im Europäischen Parlament das Argument vor, dass es keinen unterschiedlichen moralischen Status von sogenannten überzähligen Embryonen und bewusst für die Forschung hergestellten Embryonen gibt“, so Liese.

„Ich bin auch ziemlich sicher, dass wir dieses Argument in Deutschland dann sofort massiv zu hören bekommen, wenn wir die Forschung an sogenannten überzähligen Embryonen zulassen. Ich habe den Eindruck, dass einige Befürworter der Forschung an sogenannten überzähligen Embryonen durch heftige Attacken gegen die Amerikaner ihr eigenes schlechtes Gewissen beruhigen. Die Nichterzeugung von Embryonen allein zu Forschungszwecken ist eine wichtige Grenze, noch wichtiger ist aber die Grenze, dass menschliches Leben auch in seinem frühesten Stadium niemals bewusst zerstört werden darf. Daher müssen wir in Deutschland unbedingt an dieser Forderung des Embryonenschutzgesetzes festhalten. Ich fürchte auch, dass einige Befürworter der Forschung an sogenannten überzähligen Embryonen darauf spekulieren, dass dann, wenn dieser Damm einmal gebrochen ist und die Forschung nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, was angesichts der Erfahrung im Ausland wahrscheinlich ist, der nächste Schritt, eben die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken, sehr leicht durchzusetzen sein wird“, so Liese, der vor seiner Wahl ins Europäische Parlament am Humangenetischen Institut der Universität Bonn promoviert hat.

Liese wird mit einer Delegation des Europäischen Parlaments in der nächsten Woche in die USA fliegen, um mit Kongressabgeordneten, Forschern und Regierungsvertretern über Probleme der Gentechnologie und Embryonenforschung zu sprechen. „Ich werde dabei diejenigen Kräfte in den USA unterstützen, die jegliche Forschung an menschlichen Embryonen ablehnen“, so Liese.

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