Europäisches Parlament beschließt Maßnahmen gegen Antibiotikaresistenzen - Auch Regeln für Fleischimporte

„Stellen wir uns vor, dass in der Europäischen Union jeden Monat sieben vollbesetzte Passagierflugzeuge abstürzen und dabei 2.000 Menschen ums Leben kommen würden. Wir hätten wahrscheinlich kaum ein anderes Thema über das wir diskutieren. Aber in der gleichen Größenordnung sterben Menschen, da Antibiotika ihre Wirkung verlieren. 25.000 Tote im Jahr sind zu viel und wenn wir nicht handeln werden es noch mehr.“ erläuterte Peter Liese. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben in der Europäischen Union 25.000 Menschen pro Jahr an antibiotikaresistenten Keimen. Die WHO spricht sogar von der Gefahr eine post-Antibiotika Ära, da heißt Antibiotika würden gar nicht mehr wirken. „Ein großer Teil des Problems besteht in der unkritischen Anwendung in der Humanmedizin und der Hygiene in den Krankenhäusern. Hier müssen die Mitgliedstaaten aktiv werden. Aber auch Europa hat eine Verantwortung. So brauchen wir zum Beispiel dringend neue Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika und ich bedaure sehr, dass die Europäische Kommission hier immer noch keinen Vorschlag vorgelegt hat“, so Liese.

In einem Punkt ist aber jetzt ein ganz großer Fortschritt gelungen, nämlich in der Tiermedizin. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin wird in Zukunft sehr viel stärker kontrolliert. Bestimmte Antibiotika, die bei Menschen als letztes Mittel eingesetzt werden (sogenannte Reserveantibiotika), werden in der Tierzucht komplett verboten.  „Wenn durch unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht resistente Keime entstehen, können diese auch auf den Menschen übertragen werden und Landwirte oder Tierärzte die ins Krankenhaus kommen, bringen diese Keime dann mit. Dort können sie zu Todesfällen führen. Deswegen müssen wir hier dringend handeln“, so Liese. Der Beschluss des Europäischen Parlaments, der mit den Mitgliedstaaten bereits ausgehandelt ist und deshalb so in Kraft treten wird, sieht auch Maßnahmen gegen Länder vor, die Antibiotika in der Tierzucht weiterhin unkritisch einsetzen. Wenn in Drittstaaten Antibiotika als Wachstumsförderer eingesetzt werden, so darf das Fleisch in Zukunft nicht mehr auf den europäischen Markt. Das ist aus Gesundheitsgründen wichtig, da auch die Keime keine Grenze kennen, aber es ist auch unserer Verantwortung gegenüber den Landwirten in Europa“, so Liese.

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