Empfehlung war überfällig / Fliegen ohne Vorsichtsmaßnahmen gefährlich / Wirtschaftliche Erwägungen dürfen Gesundheitsschutz nicht außer Kraft setzen / Notfalls gesetzliche Vorgaben


Die europäischen Behörden für Luftsicherheit (EASA) und das europäische Zentrum für Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten (ECDC) haben Empfehlungen für die Vermeidung von Covid-19 Infektionen in Flugzeugen herausgegeben. Die Passagiere sollen demnach Masken tragen und auch im Flugzeug soll Abstand gelten. Dazu soll, wie es heißt, möglichst ein Sitz pro Reihe oder jede zweite Reihe im Flugzeug freigelassen werden. Der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), Dr. med. Peter Liese, begrüßte die Empfehlung mit Nachdruck. "Diese Empfehlung war überfällig. Ich finde es völlig unverhältnismäßig, dass wir Restaurantbesitzern, Fitnesstudiobetreibern und anderen die Arbeit nur unter strengen Auflagen und mit dem nötigen Abstand zulassen, dass die Fluggesellschaften aber nach wie vor die Möglichkeit haben die Maschinen bis auf den letzten Platz zu besetzen.

Die Fluggesellschaften argumentieren, dass das Risiko durch die Belüftungsanlagen im Flugzeug relativ gering ist, das stimmt aber nur zu teil. Zwar kann die Belüftung Infektionen vermeiden, wenn aber direkt neben mir in einem dicht besetzen Flieger jemand hustet, ist das Infektionsrisiko natürlich sehr groß. Die Filter, die zum Schutz vor Infektionskrankheiten eingebaut sind, wirken nach Auskunft von Experten ja auch nur gegen Bakterien und nicht zuverlässig gegen Viren. Wenn es gute Filter und Belüftungssystem gäbe, die eine Infektion auch bei dicht gedrängten Sitzen vermeiden, dann sollten wir diese Filter sofort in Grundschulen einbauen und alle Kinder wieder zur Schule lassen. Das Beispiel zeigt schon, dass es wahrscheinlich nicht so einfach ist. Es kann nicht sein, dass die Fluggesellschaften, weil sie eine bessere Lobby haben, gegenüber anderen wichtigen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft bevorzugt werden. Ich bin dafür, dass die Fluggesellschaften, die sich nicht an die Empfehlungen halten, mit einer gesetzlichen Regelung dazu gezwungen werden sollten", so Liese.

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