Unterschiedliche Reaktionen bei gleichem Infektionsgeschehen kostet Vertrauen /Wir brauchen noch dringend einige Monate Disziplin / Zulassung und Bereitstellung von Impfstoffen kann die Lage bis zum Frühjahr entspannen


„Ich rechne damit, dass die Gefahr durch das Coronavirus im nächsten Frühjahr deutlich abnimmt.“ Dies erklärte der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese. Seine Hoffnung begründet Liese damit, dass viele Projekte zur Erforschung eines Impfstoffes bereits sehr weit fortgeschritten sind. „Insgesamt sechs Projekte sind schon in der dritten Phase der klinischen Prüfung. Viele Unternehmen planen, diese Phase noch im Herbst abzuschließen und dann eine Zulassung zu beantragen. Gleichzeitig hat die Europäische Kommission Gespräche mit fünf Firmen abgeschlossen, um im Falle einer erfolgreichen Impfstoffentwicklung sehr schnell große Mengen des Impfstoffs zu bekommen. Wir haben darüber hinaus auch Informationen, dass Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben, vor einer Zweitinfektion geschützt sind, entweder vollständig oder in der Form, dass sie milder verläuft. Zum dritten gibt es offensichtlich einen Teil der Bevölkerung, der auf natürliche Art und Weise, zum Beispiel durch genetische Faktoren, weniger durch das Virus gefährdet ist als andere. Wenn all dies zusammenkommt, kann die Pandemie im Laufe des nächsten Jahres ihren Schrecken verlieren. Bis dahin müssen wir aber noch diszipliniert und geduldig sein, insbesondere im Herbst und im Winter. Vor allen Dingen müssen wir Risikopatienten schützen - dies sind nicht nur ältere Menschen, sondern zum Beispiel auch Menschen, die aufgrund einer Krebserkrankung immunsupprimiert sind“, so der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten).

Liese äußerte sich außerdem zur Akzeptanz der Maßnahmen in Deutschland und Europa. „Die Akzeptanz der Bevölkerung für die Maßnahmen leidet nicht nur durch Verschwörungstheorien, sondern auch dadurch, dass sowohl in Deutschland als auch zwischen den europäischen Ländern sehr viele verschiedene Kriterien gelten. Reisewarnungen und ähnliches basieren nicht auf einheitlichen europäischen Kriterien. Es ist zwar richtig, dass man bei unterschiedlich großem Infektionsrisiko unterschiedlich handeln muss, aber weder in Deutschland noch in der Europäischen Union ist die Begründung für die unterschiedlichen Maßnahmen an Zahlen und wissenschaftlichen Erkenntnissen begründet. Die individuellen Entscheidungen einzelner nationaler und regionaler Entscheidungsträger dominieren. Das aber schafft Chaos und verringert die Akzeptanz. Deswegen müssen wir dies dringend ändern.“  Liese begrüßte Überlegungen der Europäischen Kommission, in den nächsten Wochen Vorschläge für eine Stärkung des Europäischen Zentrums für Seuchenbekämpfung und Prävention (ECDC) vorzulegen, als einen wichtigen Teil einer solchen Strategie.

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