Vertrag mit Novavax kurz vor dem Abschluss / AstraZeneca zeigt Entgegenkommen / Daten für Johnson & Johnson noch nicht ausreichend klar / Zulassung von AstraZeneca lässt Entscheidung der Ständigen Impfkommission offen


„Zum heutige Freitag gibt es sehr gute Nachrichten von der Impfstofffront und zwei Nachrichten, die uns zwar vor Herausforderung stellen, aber noch keinen Anlass zum Jubeln bieten. Die gute Nachricht ist, dass der Impfstoff der Firma Novavax sehr gut wirkt und dass die Europäische Kommission seit Monaten mit dieser Firma über Lieferungen verhandelt. Der Vertrag steht kurz vor der Unterschrift. Es könnte also diesen Impfstoff, wenn er dann in einigen Wochen tatsächlich zugelassen wird, auch für europäische Bürger geben. Die zweite gute Nachricht ist, dass AstraZeneca jetzt endlich Bewegung im Impfstoffstreit mit der Europäischen Union signalisiert hat und angekündigt hat, eine Woche nach der Zulassung, d.h. heute in einer Woche, mit der Lieferung zu beginnen. Sie arbeiten auch weiterhin daran, die Zahl von 31 Millionen Impfstoffdosen nach oben zu setzen,“ sagt der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im europäischen Parlament, Dr. Peter Liese (EVP, Christdemokraten).

„Nicht ganz so gut sind die Nachrichten des Impfstoffherstellers Johnson & Johnson,“ führt der Arzt und Europaabgeordnete fort: „Im Oktober, als wir noch gar keinen Impfstoff hatten, wäre eine Wirksamkeit, wie sie bei Johnson & Johnson beschrieben ist, eine großartige Meldung gewesen. Immerhin ist niemand, von denen die geimpft wurden, ins Krankenhaus eingeliefert worden, aber der Impfstoff scheint nicht so gut zu wirken, wie der von AstraZeneca und schon gar nicht so gut wie die von Moderna und BioNTech. Deswegen muss die Firma jetzt genau überlegen wie sie den Impfstoff auf den Markt bringt. Ich glaube, er kann helfen, aber möglicherweise muss man die Daten noch genauer analysieren, um herauszufinden, unter welchen Umständen er hilft und unter welchen er nicht so gut hilft.

Schließlich hat die Europäische Arzneimittelagentur den Impfstoff von AstraZeneca zugelassen und eine Wirksamkeit von 60 % bescheinigt. Wichtig ist, die 60 % richtig einzuordnen. Sie beziehen sich nicht auf die Frage, ob man ins Krankenhaus muss oder gar an dem Stoff verstirbt, sondern auf die komplette Vermeidung von Infektionen. D.h. diejenigen, die in den klinischen Prüfungen einen Impfstoff erhalten haben, waren zu 60 % komplett geschützt, die anderen 40 % hatten leichte Symptome: kein schwerer Verlauf, kein Krankenhausaufenthalt, kein Todesfall. Die Europäische Arzneimittelagentur hat die Zulassung auch nicht auf unter 65-jährige eingeschränkt. Es ist daher durchaus möglich, ihn auch an Ältere zu verabreichen. Ich habe aber großes Verständnis für die Ständige Impfkommission, die offensichtlich zumindest in einem Entwurf vorschlägt, zunächst nur unter 65-Jährige zu impfen. Es ist aber ein kompletter Trugschluss zu denken, dass damit die komplette Impfstrategie auf den Kopf gestellt wird. Diejenigen, die nach den Entscheidungen des Ethikrates und der Ständigen Impfkommission in der ersten Kategorie sind, sind auch viele Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal, die mit Covid-19 Patienten arbeiten. Diese warten dringend auf den Impfstoff und hier wirkt er. Wenn ich persönlich an der Reihe bin und man wird mir den AstraZeneca Impfstoff anbieten, werde ich keine Sekunde zögern, ihn zu akzeptieren. Darüber hinaus wird AstraZeneca in den nächsten Wochen weitere Daten vorlegen und kann dann hoffentlich die Sicherheit für über 65-Jährige besser belegen“, so Liese.

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