Unabhängige, wissenschaftliche Überprüfung in diesem Fall besonders dringend notwendig / Fraglich, ob Sputnik V uns schnell helfen kann / 6 Impfstoffhersteller sind schon weiter


Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat heute ein sogenannten Rolling Review-Verfahren für den russischen Impfstoff Sputnik V gestartet. Dies ist der erste Schritt im EU-Zulassungsverfahren. Das russische Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie hat dadurch nun die Möglichkeit, nach und nach seine wissenschaftlichen Erkenntnisse über Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität des Impfstoffes einzureichen. Diese werden von den wissenschaftlichen Experten begutachtet und wenn diese wissenschaftliche Analyse positiv ausfällt, kann offiziell ein Zulassungsantrag für die Europäische Union gestellt werden.

Sputnik ist der siebte Impfstoff der in diesem Verfahren jetzt geprüft wird. Neben den drei zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca und den Impfstoff von Johnson&Johnson dessen Zulassung am 11. März ansteht, haben die amerikanische Firma Novavax und das Tübinger Unternehmen Curevac schon seit längerem mit dem Rolling Review begonnen.Sputnik ist in dieser Frage also nur an Nummer sieben.

Darauf machte der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), Dr. med. Peter Liese aufmerksam.

„Ich begrüße die Tatsache, dass nun von unabhängigen, wissenschaftlichen Experten die Daten der Russen analysiert und bewertet werden.  Wie bei den anderen Impfstoffkandidaten werden die Daten rein wissenschaftlich bewertet. Ich schließe nicht aus, dass der Impfstoff als wirksam bewertet- und auch in Europa eingesetzt werden kann. Alles was uns bei der Bekämpfung der Pandemie behilflich ist, ist selbstverständlich willkommen. Dennoch bleibe ich skeptisch. Die klinischen Daten, die das Gamaleja-Institut zu Sputnik V präsentiert hat, sind für mich immer noch mit einem großen Fragezeichen zu versehen und die Publikation im Wissenschaftsmagazin Lancet hat ebenfalls kritische Fragen aufgeworfen. Deshalb ist eine genaue wissenschaftliche und kritische Überprüfung der Daten durch die EMA in diesem Fall besonders notwendig.

Die russische Regierung hatte zwar bereits in August vergangenen Jahres verkündet Sputnik zugelassen zu haben. Das war aber keine Zulassung, sondern ein Fake. Es wurden bis zu diesem Zeitpunkt nur weniger als 100 Probanden getestet. Bei den Impfstoffstudien der seriösen Impfstoffhersteller waren es jeweils über 40.000“, so der Arzt und Europaabgeordnete.

Eher skeptisch äußerte sich Liese auch zu der Frage, ob der Impfstoff bei der Bekämpfung der Pandemie in Europa eine wichtige Rolle spielen könne. „Mit dem Start des Rolling Review Verfahrens heute ist lediglich der erste Schritt gemacht. Ich bin weiter optimistisch, dass wir schon sehr bald nach dem Sommer insgesamt mehr Impfstoff in der EU zur Verfügung haben werden, als wir überhaupt brauchen und wir dann sogar langsam überlegen können, diesen an Drittstatten abzugeben. Der Chef des russischen Staatsfond Kirill A. Dimitrijew hat angekündigt, das größere Lieferungen in die EU erst dann möglich sind, wenn die Massenimpfungen in Russland beendet werden.

Da Russland bei der Impfgeschwindigkeit hinter der EU liegt, wird das erst in der zweiten Jahreshälfte möglich sein und dann brauchen wir Sputnik definitiv nicht mehr, denn zu diesem Zeitpunkt besteht die realistische Chance, dass neben den drei schon zugelassenen Impfstoffen und Johnson&Johnson auch die Firmen Curevac und Novavx schon liefern können. Aus meiner Sicht sollte die Nachricht von heute daher insbesondere ein Ansporn für die Firma Johnson&Johnson sein, schnell mit der Lieferung in die EU zu beginnen. Ansonsten wäre es auch ein gefundenes Fressen für alle, die eine staatliche Produktion befürworten und Zusammenarbeit mit privaten Pharmafirmen ablehnen. Alle privaten Unternehmen, die mit der Europäischen Union zusammenarbeiten sollten sich herausgefordert fühlen und bei der Ehre gepackt werden, so schnell wie möglich so viel wie möglich Impfstoff in die EU liefern“ so Liese.

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