Es gibt keine hundert Prozent in der Medizin, aber Risiko deutlich reduziert / Impfturbo startet, große Chance, dass Reisewelle nicht wieder zur Infektionswelle wird  


„Abgeordnete aller Fraktionen im Europäischen Parlament, außer der extrem Rechten, haben sich für die Einführung eines EU-Covid-19-Zertifikates ausgesprochen. Die Mehrheit im Plenum bei der Abstimmung heute Abend gilt daher als sicher.“ Darauf machte der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion (EVP Christdemokraten) Dr. med. Peter Liese aufmerksam.

„Es gibt in der Medizin keine 100 Prozent, aber Geimpfte, Genesene, die zum Beispiel anhand von Antikörpern nachweisen, dass sie die Krankheit durchgemacht haben, und negativ Getestete haben ein extrem reduziertes Risiko die Krankheit zu übertragen oder selbst zu erkranken. Deswegen muss man ihnen die Möglichkeit geben die Freiheiten, die aus Gesundheitsgründen eingeschränkt werden mussten, Schritt für Schritt zurück zu erlangen. Der Impfturbo in der Europäischen Union ist jetzt gestartet. Ich bin sicher, dass in wenigen Wochen jeder Erwachsene Europäer, der dies möchte, ein Impfangebot bekommt. Gerade deshalb ist es wichtig jetzt noch durchzuhalten.

Die Intensivstationen in Belgien und den Niederlanden sind schon wieder so überlastet, dass die entsprechenden Länder angefragt haben, ob Patienten nach Deutschland übernommen werden können. Aber auch die Pflegekräfte bei uns sind nach 14 Monaten Pandemie am Rande der Erschöpfung, deswegen müssen wir alle uns noch ein wenig zusammenreißen. Mit dem Zertifikat wird es aber möglich sein in den nächsten Wochen immer mehr Freiheiten zu erlangen, auch die Reisefreiheit. Insbesondere der zweite Teil des Sommers 2021 kann sehr viel angenehmer werden als der Sommer 2020, ohne dass aus der Reisewelle wie im letzten Jahr eine neue Infektionswelle kommt.“

Im Detail verlangt das Europäische Parlament Nachbesserungen am Kommissionvorschlag. Für Liese ist besonders wichtig, dass die Wirksamkeit der Schnelltests richtig eingeordnet wird: „Ein Schnelltest ist nicht so zuverlässig wie ein PCR-Test. Es gibt viele falsch positive und falsch negative Ergebnisse. Deswegen ist es unverantwortlich, dass die Kommission vorgeschlagen hat einen einzigen positiven Schnelltest als Basis für ein Genesenenzertifikat vorzusehen.

Ganz wichtig ist für mich, dass ein positiver Antikörpertest als Nachweis für eine durchgemachte Infektion gilt. Nach den mir vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen (zB hier: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2034545) ist der Schutz durch spezifische Antikörper gegen das Spike-Protein etwa so groß wie der Schutz durch die Impfung. Und gerade in der jetzigen Phase, wo der Impfstoff noch knapp ist, müssen wir den Menschen das Signal geben, dass sie, wenn sie Antikörper haben, beim Impfen anderen den Vortritt lassen sollten. Ich bin zuversichtlich, dass Ministerrat und Kommission unsere Verbesserungsvorschläge annehmen und wir in wenigen Wochen das Zertifikat endgültig verabschieden können“, so Liese.

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